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„Sex Education“ erleichtert das Ansprechen ernsthafter Probleme

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Gleich ab dem Start von Sex Education im Jahr 2019 wurde das Netflix Original für seinen offenen und ehrlichen Umgang mit dem Thema Sex gelobt. In der zweiten Staffel, die weltweit seit dem 17. Januar läuft, wird die Thematik noch weiter ausgereizt, da es in einem der Handlungsstränge um einen sexuellen Übergriff geht.

Dieser Handlungsstrang war eines der zentralen Themen während der engagierten Diskussionen im Covent Garden Hotel in London. Die Diskussionsrunde, zu der unter anderem die Schöpferin der Serie Laurie Nunn, Schauspielerin Emma Mackey, die die Rolle der Maeve spielt, und die Intimitätsberaterin Kat Hardman gehörten, wurde von der Journalistin und Sexualpädagogin Alix Fox moderiert.

Emma Mackey betonte: „Wir sind überzeugt, dass wir hier wichtige Arbeit leisten. Es ist extrem wichtig für junge Frauen, aber auch für alle anderen, zu wissen, dass es Institutionen gibt, die ihnen helfen können, wenn sie etwas Ähnliches erleben mussten.“

In der Serie ist Maeve (Emma Mackey) eine wichtige Stütze für Aimee (Aimee Lou Wood), nachdem diese in einem voll besetzten Bus am helllichten Tag Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Die Veranstaltung begann mit der Vorführung einiger Szenen aus einer Videodiskussion über die Nötigungsszene und dem Vortrag eines Gedichts von Erin May Kelly, um alle Anwesenden zu ermutigen, „in den Bus einzusteigen“.

Laurie Nunn, die in der Geschichte eine ähnliche persönliche Erfahrung verarbeitet, freute sich über die überwältigend positiven Reaktionen seit dem Start der neuen Staffel. 

„Wir erzählen die Geschichte auf einer Plattform wie Netflix und zeigen den Zuschauern, dass ein solches Verhalten eine sexuelle Nötigung darstellt“, führte sie aus. „Es geht nicht um Hierarchien und wir behaupten auch nicht, dass jemand schlechter als andere ist. Es geht hier darum, Betroffenen mehr Macht zu geben. Das ist jedenfalls meine Hoffnung. Ich glaube, es ist ein sehr gutes Bestreben, Menschen mithilfe dieser Geschichte und der ganzen Serie dazu zu ermutigen, miteinander und über diese Themen zu reden, ohne sich dabei unwohl zu fühlen.“

Genau das zeigte sich auch deutlich bei der Vorführung, an der mehr als 60 Personen teilnahmen. Dazu gehörten Studenten der National Film and Television School, an der auch Laurie Nunn ihren Abschluss gemacht hatte, und zahlreiche Repräsentanten verschiedener bekannter Wohlfahrtseinrichtungen im Vereinigten Königreich wie der National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC), der Initiative Rape Crisis England & Wales, die sexuelle Gewalt mehr zu einem Thema in der Öffentlichkeit machen will, die Einrichtung Brook, die jungen Menschen Behandlungen bei sexuellen Krankheiten und Sexualerziehung anbieten, sowie The Prince’s Trust, der schutzbedürftigen jungen Menschen auf ihrem Weg zurück in ein möglichst normales Leben hilft. 

Aimee Lou Wood und Emma Mackey aus „Sex Education“ (Foto: Sam Taylor/Netflix)

Alix Fox lobte die Serie und speziell auch die Geschichte von Aimee, da sie die Wahrnehmung erweitert, dass sexuelle Nötigung schon weit vor Gewaltanwendung oder einem körperlichen Übergriff beginnt: „Ich kann das nur bestätigen, und das wird vielen anderen Menschen auch so gehen. Sex Education leistet hier wirklich sehr gute Arbeit, indem es eine Diskussion über dieses Thema entfacht, die wir dringend führen müssen.“

Über die Nötigungshandlung hinaus war in der Diskussion aber auch ein Thema, wie viele positive Gespräche die Serie über die weibliche Sexualität und den Geschlechtsverkehr angeregt hat. Dazu Emma Mackey: „Ich stelle fest, dass ich sogar mit meiner Mutter heute viel offener sprechen kann als früher. Daran sieht man, dass (die Serie) einen darin bestärkt, dass man keine Hemmungen haben sollte, solche Dinge anzusprechen.“ 

Dabei sind solche offenen Gespräche nicht nur auf Freunde oder die Familie beschränkt. Kat Hardman lobte die Macher der Serie dafür, dass bei den Dreharbeiten immer Intimitätsberater dabei sind, um Gespräche zwischen den Schauspielern und dem Filmteam zu erleichtern, und dass dies bei Sex Education von Anfang an so war.

„Das ist extrem wichtig bei einer Serie über Sex, bei der es um den Spaß, aber auch um die Komplexität von Sex geht, damit sich die Schauspieler sicher fühlen“, erläuterte Hardman.

Die Teilnehmer lobten auch die Veranstaltung selbst dafür, dass sie die Möglichkeit bot, sehr entspannt in die normalerweise schwierigen Themen einsteigen zu können. Dr. Lisa Thornhill, eine Expertin für Kindesmissbrauch der Lucy Faithfull Foundation, nannte es eine „hervorragende Chance, sensible Themen für alle greifbar ansprechen zu können“. 

– Frances Abebreseh

Frances Abebreseh ist Leiterin des Netflix-Kommunikationsteams für das Vereinigte Königreich und Irland.