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Interview mit Taka über „Flip a Coin -ONE OK ROCK Documentary-“

Interview mit Taka über „Flip a Coin -ONE OK ROCK Documentary-“

ONE OK ROCK ist eine japanische Rockband, die 2005 gegründet wurde, 2007 ihr Debüt hatte und die weltweit gefeiert wird. Seitdem entwickelte die Band ihre musikalische Karriere in Japan und weltweit immer weiter, unter anderem mit der Produktion des Songs Renegades gemeinsam mit Ed Sheeran sowie mit der Produktion der Titelsongs der „Rurouni Kenshin“-Filmreihe. Die Band produzierte ihre erste Online-Liveshow „ONE OK ROCK 2020 – Field of Wonder“ auf dem Kanal Stadium Live Streaming mit Unterstützung von au 5G LIVE im letzten Jahr mitten in der Pandemie. 

Die neue Dokumentation Flip a Coin -ONE OK ROCK Documentary- zeigt die drei Monate der Vorbereitung vor der Liveshow und zahlreiche Backstage-Szenen während des Online-Live-Events, unter anderem aus den Aufnahmestudios und dem täglichen Leben der Musiker. Vor der Premiere der Doku am 21. Oktober haben wir uns mit Taka, dem Frontmann der Band, der gerade in Los Angeles an einem neuen Album arbeitet, über die Doku unterhalten.

Warum habt ihr euch dafür entschieden, diese Doku zu produzieren?

Normalerweise stehen wir auf der Bühne und machen Live-Musik. Aber irgendwie wurde uns klar, dass nur eine Doku die fehlenden Puzzlestücke ergänzen könnte. Ich denke zwar schon, dass unsere Fans uns und unsere Ideen verstehen. Wir haben sie aber nie hinter die Kulissen blicken lassen und das wollen wir jetzt nachholen. Dabei ging es mir vor allem darum, den gesamten Zeitraum vom Beginn der Pandemie an bis zum tatsächlichen Online-Live-Event aufzuzeichnen, egal, wie lange das dauern würde.

Bei der Doku habe ich mich gefragt: Sollte man das wirklich alles zeigen? Die Kamera war bei Aufnahmen im Studio dabei und bei Besprechungen über die Regie. Sie erlaubt Einblicke, wie der Sound von ONE OK ROCK entsteht und wie das Live-Event produziert wurde. Es sind sogar private Szenen dabei, die zeigen, wie die Bandmitglieder ihre Freizeit während der Pandemie verbracht haben …

Da wir mit dem Regisseur Amazutsumi schon länger zusammenarbeiten, waren wir auch bei den jetzigen Arbeiten sehr entspannt.

Der Film zeigt, was die Bandmitglieder von ONE OK ROCK zu dem Zeitpunkt bewegt hat. Das fühlt sich ziemlich real an, denn es spiegelt ja auch mein Leben vor einem Jahr wider.

Während der Pandemie hatte ich den Eindruck, dass es allen anderen Menschen genauso ging wie uns, wir hatten ja alle so etwas noch nie erlebt. Wir mussten sämtliche Aktivitäten einstellen und so viele Dinge aufgeben. Wir haben alle sehr traurige und schmerzliche Momente erlebt. Mit dieser Doku wollten wir den Menschen allerdings zeigen, dass wir nach vorne schauen und bereit sind, unsere Zukunft anzupacken. Und das wollten wir unbedingt festhalten. Wir haben uns einige sehr zentrale Fragen gestellt, zum Beispiel nach dem Wert des Lebens, warum wir leben und warum wir unseren Träumen nachjagen. Dabei wollten wir aber auch nicht vergessen, wie wir uns in dieser Zeit gefühlt haben, und wir wollten, dass auch andere Menschen diese Erfahrungen nicht vergessen.

Jetzt bin ich wirklich gespannt auf die Online-Liveshow und den neuen Song „Wonder“. In der Doku sagen alle Bandmitglieder, dass sie so eine Online-Liveshow nie wieder machen wollen (lacht). Was bedeutet euch dieses Projekt nun im Rückblick?

Also, ich möchte sowas wirklich nie wieder machen (lacht). Abgesehen davon sind aber die positiven und großen Emotionen, die du auf dein Publikum übertragen kannst, das Größte, was dir als Unterhaltungskünstler passieren kann. So jemand wie ich, der ehrgeizig und wettbewerbsorientiert ist, wurde einfach in diese Welt hineingeboren und zufällig in die Lage versetzt, andere mit meinen Worten vielleicht retten zu können. Warum sollte ich also diese ureigene Fähigkeit nicht mit anderen teilen? Wenn Leute unsere Botschaften hören, dadurch Motivation finden und sich freuen, könnte das die einzige Sache sein, auf die ich wirklich stolz sein kann. Und genau in diesem Sinne wollte ich auch das Online-Live-Event durchziehen.

Eine der beeindruckendsten Szenen der Doku war für mich, als der Bassist Ryota sagte: „So ein Live-Event habe ich noch nie gemacht …“ und du ihm antwortest: „Genau deshalb machen wir es!“ Das war einer dieser Momente, wo man eine Ahnung vom wahren Spirit hinter ONE OK ROCK bekommt.

Ich bin absolut dankbar für alles, was ich habe. Wir sind eine Gruppe von Leuten mit total unterschiedlichen Persönlichkeiten und Ansichten. Es muss ja irgendwas ganz Spezielles geben, das uns trotz solch verschiedener Eigenschaften dazu bringt, für ein gemeinsames Ziel zusammenzuarbeiten. Wir haben wohl das Glück, dass wir so etwas Spezielles und gemeinsame Ziele haben, was es uns ermöglicht hat, dieses Online-Live-Event auf eine Art und Weise zu erschaffen, wie es bisher noch niemand getan hat. So etwas kann natürlich nicht jeder machen, aber wenn ich es kann, dann kannst du es auch. 

Die Doku wird zeitgleich auf der ganzen Welt starten. Wie fühlst du dich dabei, dass euer Film auf Netflix gezeigt wird?

Ich mag Netflix und schaue mir die unterschiedlichsten Sachen an. Es ist ein absolut großartiges Gefühl zu wissen, dass Menschen auf der ganzen Welt unsere Doku gleichzeitig sehen und erleben können. Dafür bin ich total dankbar. 

Es ist aber natürlich auch für ausländische Fans und solche, die noch nicht so viel von ONE OK ROCK gehört haben, eine Chance, eure Band noch besser kennenzulernen, oder?

Auf jeden Fall. Es ist nicht so einfach einzuschätzen, wie bekannt wir weltweit schon sind, aber wir merken, dass sich um uns herum im Augenblick eine ganze Menge bewegt. Wenn Leute ONE OK ROCK gerade erst zum ersten Mal gehört haben und uns durch die Doku besser kennenlernen, ist das für unsere Zukunft sicher nützlich. 

Die Coronapandemie ist noch nicht vorbei. Und es hat mich sehr bewegt, was du am Ende des Films gesagt hast. Wie siehst du die Zukunft von ONE OK ROCK?

Mit meinen 33 Lebensjahren kann ich eines mit Sicherheit sagen: Wenn wir Schwierigkeiten haben, kommen wir da nicht raus, ohne zunächst jemand anderem daran die Schuld zu geben. Allerdings kommen wir erst dann wirklich weiter, wenn wir diese Phase der Schuldzuweisung hinter uns gelassen haben. 

Vielleicht sollte ich das so nicht sagen, aber wir müssen immer hungrig bleiben. Wir sollten jede Chance nutzen, unsere Gier nach dem zu stillen, was wir erreichen wollen. Dabei sollten wir uns auch nach Kräften gegenseitig unterstützen. Denn jede Chance, die wir verpassen, kommt so schnell nicht wieder. Es ist ohnehin das Einzige, das wir tun können: so lange an uns glauben, bis eines Tages jemand aus der nächsten Generation kommt und sagt: „Hey, ihr seid nicht mehr cool genug und jetzt sind wir dran!“. Aber bis dahin müssen wir weiter unser Bestes geben.

Die Netflix-Dokumentation Flip a Coin -ONE OK ROCK Documentary- ist ab sofort exklusiv auf Netflix verfügbar.