Unterhaltung
6. Juli 2023Es ist nicht ganz einfach zu erkennen, was einen Film als „australisch“ definiert, abgesehen vom typischen „Down-Under-Klischee“, aber Run Rabbit Run zeigt sich als interessantes Beispiel dafür, wie man sich in Australien Geschichten erzählt.
Der Horrorfilm, der auf dem diesjährigen Sundance Film Festival seine Premiere feierte und in dem vor der großartigen Landschaft Australiens tief in die Psyche der Protagonist*innen eingetaucht wird, wurde bereits in der ersten Woche seines Erscheinens bei Netflix weltweit zum drittbeliebtesten Film.
Ein Team von australischen Kreativen, darunter die Regisseurin Daina Reid, die Autorin Hannah Kent und die Produzentinnen Anna McLeish und Sarah Shaw, entwickelte Run Rabbit Run, eine moderne Geistergeschichte, die mitten im ländlichen Südaustralien spielt. Die Fruchtbarkeitsärztin Sarah (Sarah Snook) glaubt fest an das Konzept von Leben und Tod, zweifelt aber zunehmend an ihren eigenen Wertvorstellungen und muss sich schließlich einem Geist aus ihrer Vergangenheit stellen, nachdem ihre kleine Tochter Mia (Lily LaTorre) beginnt, sich seltsam zu verhalten.
Mehr als nur Aussie-Slang
Anlässlich des APAC-Filmfestivals von Netflix betonte die Produzentin Anna McLeish von Carver Films, wie wichtig es sei, neben der australischen Sprachvariante noch andere australische Elemente wie die Landschaft und kulturelle Eigenheiten in den Mittelpunkt zu stellen, um die Kernwerte des Landes zu präsentieren.
In Run Rabbit Run werden die Schwenks über die Gegend um Victoria und das südaustralische Riverland zu einer Ode an die australische Landschaft und zur zweiten Hauptsache neben dem eigentlichen Psychothriller.
Aus der Erinnerung an ihre eigene Kindheit in Waikerie baut die Autorin Hannah Kent die raue, trockene und elementare Natur einer eigentlich ganz gewöhnlichen Kleinstadt zu einer bedrohlichen Kulisse als sichtbare Metapher für Trostlosigkeit und Brutalität auf, in der die Protagonistin Sarah in ihr Trauma aus vergangenen Zeiten abgleitet.
Mutter weiß es am besten
Das Einzigartige an Run Rabbit Run ist nicht nur der künstlerische Aspekt, sondern auch die Betonung der weiblichen Präsenz sowohl vor als auch hinter der Kamera.
Für den Weltstar Sarah Snook ist der Film die erste australische Arbeit nach der von der Kritik gelobten Serie Succession. Snook, die kürzlich erst selbst Mutter wurde, hat das Projekt schon deswegen sehr gereizt. Außerdem fand sie es wundervoll, mit so vielen Frauen zusammenarbeiten zu können.
In der von Männern dominierten Filmindustrie sticht Run Rabbit Run durch die fast durchwegs weibliche Produktionsführung heraus. Bei einem Film, in dem es um die Herausforderungen und Erwartungen der Mutterschaft geht, kommt als interessanter Punkt noch hinzu, dass die meisten Frauen hinter den Kulissen selbst arbeitende Mütter sind.
Die Regisseurin Daina Reid betont diesen Aspekt: „Run Rabbit Run wirft durch die weibliche Perspektive und die Darstellung von Themen wie Mutterschaft, Schuld und die weibliche Psyche einen einzigartigen Blick aus das Genre. Sarah ist eine arbeitende Mutter, was der Hauptgrund für die Schuldgefühle von so vielen von uns ist.“
„Die Gefahr lauert in der emotionalen Konfrontation von Sarah mit ihren Geistern und dass sie diese möglicherweise akzeptiert, um sich weiterzuentwickeln und die beste Mutter für Mia zu werden. Ich hoffe, dass die Zuschauer*innen genau diese Akzeptanz unserer eigenen Unzulänglichkeiten und Fehler nachvollziehen können.“
Run Rabbit Run ist ab sofort auf Netflix zu sehen.
